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Wie Kopfbälle das Gehirn schädigen

Ärzte warnen vor den Spätfolgen bei kontaktintensiven Sportarten wie Fußball, Eishockey und American Football.

Wie Kopfbälle das Gehirn schädigen

Auf 70 000 Schläge mit dem Hammer kommt der Arzt. Direkt auf den Kopf, immer wieder. Was nach einer perfiden Folter klingt, tun sich viele Menschen freiwillig an. Beim Sport - genauer in Kontaktsportarten wie Eishockey und American Football, bei denen immer wieder die Köpfe gegeneinandergestoßen und -gerammt werden. 70 000-mal im Laufe einer Profikarriere. Ähnliches gilt für Fußball, Sport Nummer eins der Deutschen, bei dem der Ball mit voller Wucht auf dem Kopf der Spieler landet. Spätfolgen inklusive.

Der Film "Erschütternde Wahrheit" ist angelaufen. Der englische Titel bezeichnet genauer, worum es geht - "Concussion" heißt Gehirnerschütterung. Der Film erzählt die wahre Geschichte des Gerichtsmediziners Bennet Omalu. Nachdem er zwei früh verstorbene Football-Stars obduziert hat, entdeckt er, welche verheerenden Schäden die ständigen Stöße im Gehirn anrichten. Einer der Spieler, Mike Webster, hatte bereits in jungen Jahren unter Gedächtnisverlust und Konzentrationsstörungen gelitten, seine Hände und sein Kopf zitterten ständig. Sportverbände und Fernsehsender spielen die Schäden herunter - bis heute.

Das Gehirn sammelt kleine Verletzungen an

"Wir Ärzte haben Gehirnerschütterungen lange unterschätzt", sagt Florian Heinen, Entwicklungsexperte am Haunerschen Kinderspital der Universität München. "Ein paar Mal ist das eine Bagatelle, das kann man in der Jugend kaum verhindern. Aber diese Ereignisse addieren sich im Sport, das Gehirn sammelt Mikroverletzungen an." Eigentlich ist das Gehirn durch den Schädel gut geschützt, betont auch der Neurowissenschaftler Michael Madeja von der Hertie-Stiftung. "Häufige Schläge auf den Kopf können jedoch zu einer Neurodegeneration führen - auch wenn man zunächst keine sichtbaren Verletzungen des Gehirns findet."

Besonders Kinder und Jugendliche sind gefährdet. Ihr Gehirn und ihre Nervenverbindungen sind verletzlicher als die von Erwachsenen. In den USA hat eine Sammelklage von Eltern dazu geführt, dass der Fußballverband seit Dezember Kopfballspiel für unter Zehnjährige untersagt. Kinder zwischen elf und 13 Jahren sollen möglichst selten den Kopf benutzen, um damit den Ball zu spielen.

Amateure könnten stärker gefährdet sein

Die aus München stammende Neurobiologin Inga Koerte, derzeit in Harvard, hat entdeckt, dass bei Fußballspielern wie auch bei Akteuren des American Football bereits in jungen Jahren Veränderungen der Gehirnstruktur auftreten - vermutlich verursacht durch ständige leichte Erschütterungen. "Für derartige Veränderungen bedarf es nicht unbedingt einer Gehirnerschütterung", sagt Koerte. Die wiederkehrende Zahl kleiner Schläge reiche aus. Amateure sind womöglich stärker gefährdet: "Profis verfügen über eine stärkere Nackenmuskulatur als Amateursportler", so Koerte. "Dadurch können sie einen Kopfball besser abfedern als weniger gut trainierte Fußballer."

Man müsse überlegen, "wann Freizeitsport die Gesundheit gefährdet", fordert Kinderarzt Heinen. "Im Fußball geht es schließlich um die systematische Prellung des Kopfes. Im Wettkampf wird sie toleriert, im Training dutzendfach provoziert." Mit jedem Trauma werden die Nervenverbindungen poröser - wie ein ständig gedehnter Gummiring, der irgendwann löchrig wird und reißt.

 

Quelle: sueddeutsche.de

 

 

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